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Begegnungen machen das Leben aus3 min read

24. April 2022 2 min read

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Begegnungen machen das Leben aus3 min read

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Der Philosoph und Journalist Charles Pépin beobachtet alle Aspekte der Begegnung in seinem aktuellen Werk «Kleine Philosophie der Begegnung». Nachdem er in der Vergangenheit bereits die kleinen Philosophien des Scheiterns und der Zuversicht veröffentlichte, widmet er sich heuer der Begegnung. Wir lassen uns auf ein Treffen ein.

Ich begegne also bin ich

Was ist Begegnung? Was macht sie aus? Wie begegnen wir uns? Müssen wir anderen begegnen, um uns selber zu begegnen? Diese Fragen werden aufgerufen. Positiv sei auch gleich vorab die grandiose Übersetzung von Caroline Gutberlet zu erwähnen. Insbesondere bei so anspruchsvollem Inhalt macht eine gute Übersetzung einiges aus. Ein wichtiger Aspekt des Verständnis. Nun aber zur Struktur des Werkes. Der in Paris lebenden Lehrer unterteilt in drei Kapiteln: «Die Zeichen der Begegnung» – «Die Bedingungen von Begegnung» und «Das wirkliche Leben ist Begegnung».

Neue Wege gehen

Akribisch geht der Philosoph alle möglichen Formen der Begegnung an. Er zerlegt sie und wirft uns immer wieder mit den oben genannten Fragen zum Nachdenken. Zahlreiche kluge Vergleiche werden gemacht. So werden wir in Filme und Romane mitgenommen, in denen die unterschiedlichsten Treffen stattfinden. Schön lässt sich dies am Beispiel des Clint Eastwoods Film «Die Brücken am Fluss» aufzeigen. Ohne zu spoilern, dies gilt auch für alle weiteren Vergleiche, zeichnet der Franzose die Liebesbegegnung. Zwei Menschen lernen sich kennen und verlieben sich ineinander.

Die wohl eindrucksvollste Art der Begegnung, die es gibt. Ohne nötiges Hintergrundwissen werden wir im Laufe des Buchs in ähnliche Situationen gebracht. So bedarf es einerseits kein Wissen über Filme, Bücher oder Chansontexte. Anderseits bedarf es philosophisches Know-how, da auch fortlaufend Vergleiche zu unterschiedlichsten Philosophen und deren Ansichts- und Denkweisen gemacht werden. Dies könnte man als Schwachpunkt sehen, aber prinzipiell gehört es ja zur Idee des Werkes und ist eben dem Metier des Schreibenden geschuldet. Will heissen, dass es für Unwissende der Philosophie etwas müssig sein könnte, sich in die gut 250 Seiten einzuarbeiten. Die Mühe ist es aber wert.

Auch eine Tötung ist eine Begegnung

Am spannendsten und mit einem Aha-Effekt verlassen wurden wir am Ende des ersten Teils. Hier geht Pépin auf eine besondere Art der Begegnung ein – der Mord. Unbeschreiblich vielseitig schildert er die Vorgänge und die Hintergrundinformationen, die er dazu eingeholt hat. So verwundert es dann auch kaum, dass wir erfahren, wie die meisten Menschen getötet werden. Zu über 90 Prozent ohne Augenkontakt. Diesen versuchen selbst die abgebrühtesten und kaltblütigsten Söldner:innen zu vermeiden. Jemanden dabei noch in die Augen zu schauen und ihm zu begegnen, bevor wie ihn ermorden schaffen, wirklich nur die Wenigsten. Fasziniert sind wir darüber diesen Fakt und diese Form der Begegnung auch erzählt zu bekommen.

«Es gibt keinen Zufall, es gibt nur Verabredungen.»
Paul Eluard

Nichtsdestotroz will der Geisteswissenschaftler uns mit positiven Bildern in Erinnerung bleiben. So nehmen wir auch seinen Appell wahr – in die Welt zu gehen. Raus aus der Routine, rein in neue Abenteuer! Denn Zufälle gibt es keine. Es gibt nur Verabredungen.
Also ihr Lieben da draussen. Nehmt den Appell mit – geht in die Welt und begegnet. Lernt Menschen kennen, denn jetzt geht es doch auch wieder besser. Lernt andere kennen und euch dadurch vielleicht selber auch besser. Wir liegen dieses Buch wirklich allen näher, die alltägliches überdenken und reflektieren möchten. Dafür müsst ihr auch keine Kierkegaardzitate oder Sartres gesammelte Werke kennen. Wer der französischen Sprache mächtig ist, kann auch gerne in seinen Podcast lauschen und so Autor und seine Gedanken besser verstehen.

Dieses Buch passt zu…

…Menschen die Alltägliches neu definieren möchten

…Suchenden nach Antworten auf Fragen fürs Leben

…einem Pastis am Boulevard im Sonnenschein

Foto mit freundlicher Genehmigung von Sophie Steinberger/Allary Éditions

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