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Sechs n Halb Fragen an Flo Mega: Gelb spielt keine Rolle5 min read

30. September 2023 5 min read

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Sechs n Halb Fragen an Flo Mega: Gelb spielt keine Rolle5 min read

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Im neuen Format «Sechs n Halb Fragen an…» beginnen wir mit Flo Mega, mit dem wir am Würzburger Hafensommer gesprochen haben.

Es ist der letzte Abend auf dem Würzburger Hafensommer Festival. Das Wetter ist leider ausnahmsweise richtig schmuddelig. Es windet stark und der Sprühregen macht auch keine gute Laune.

Auch die tolle Vorband Me & Miss Jacobs hat kurzfristig technische Schwierigkeiten und etwas Mühe mit den Widrigkeiten. Heizen uns aber trotzdem gut ein bei ihrem 80-minütigen Programm. Die Zeitspanne hat jede Band/Künstler:in, die vor dem Hauptact spielt, wie uns die freundliche Mitarbeiterin Sophia Hartl vor dem Konzert mitteilte. Okay, wir hofffen, das Wetter wird sich etwas bessern, bevor FloMega mit seinen Ruffcats (zwei Bandmitglieder, übrigens Söhne der Stadt) auftritt. Sängerin Lina Jacobs rockt dennoch souverän und erschafft mit ihrer Band eine soulig-warme Mischung aus tanzbaren Balladen. Die rund 400 Gäste machen gemeinsam mit ihr den Regentanz.

Vorgruppe am Würzburger Hafensommer: Me & Ms. Jacobs (Bild: Andreas Grimm)

Diesen Regentanz macht das Publikum (anscheinend verliessen kältebedingt einige Gäste, aber wirklich nur eine Handvoll, in der Pause die Show) beim Mainact auch. FloMega und seine Ruffcats geben Vollgas und inszenieren ein Spektakel aus Regen und Wind. Dem gebürtigen Bremer könnte man ja glatt unterstellen, er sei dieses Wetter ja gewöhnt. Damit kokettiert der schon lang in Berlin lebende Soulsänger auch leicht, während er ein wunderbares Set mit aktuellen und alten Songs abliefert. Das Publikum ist auch mittlerweile bunt verteilt auf den Stufen vor dem Kraftwerk, die eigentlich die Haupttribüne des Venue bilden. Davor hatte man sich noch auf der oberen Tribüne leicht eingemummelt vor dem Regen verstecken wollen. Ein schöner Abend und wir dürfen den Meister kurz nach der (für ihn vorletzen Show vor der Sommerpause) Show sprechen.

 

frachtwerk: Wie geht es dir? Eine Frage, die viel zu selten gestellt wird und die sich ja nach einem tourreichen Sommer aufdrängt?

Flo Mega: Es geht mir gut. Ist auch der fetteste Song im Set, wie ich finde. (und auf dem Album «Bäms» – da steht er unter SGTMRGUD) Ich lasse meinen Blues fließen – das transformiert sich eh in positive Energie.

Flo Mega und die Ruffcats – Gelb spielt keine Rolle. (Bild: Andreas Grimm)


frachtwerk: Eine schwimmende Bühne im Regen wie hier in Würzburg, löst was in einem aus?

Flo Mega: Ich liebe Regen – und ich honoriere das sehr, wenn das Publikum sich in die Musik begibt und dabei den Regen vergisst. So ist es im Leben mit allen anderen Dingen auch. Und auf dem Wasser ist das Leben ohnehin beschwingter.

Auch bei Regen wird der Hafen gerockt. (Bild: Andreas Grimm)

frachtwerk: Wie geht es der Soulmusik im deutschsprachigen Raum?

Flo Mega: Es könnte mehr Ambitionen geben, diese Musik in Verbindung mit größeren Bands zu platzieren. Leider haben sich viele schon auf das effizientere Prozedere eingelassen und fahren Sparkurse. Wenig Aufwand, wenig Musiker*Innen auf der Bühne, viel Hype, wenig kulturellen Ertrag. Aber grundsätzlich ist die Frage ob nicht auch ohnehin viel Soul in genrefluider Musik ist. Ob es immer das Gewand haben muss, dass wir tragen, ist vielleicht nebensächlich. Trotzdem wäre es schön, wenn die Geschichte der Musik (speziell hier in Deutschland) sichtbar gemacht wird, denn es gibt sie. Am Ende kann man einfach nur eines tun: dazu und dafür stehen mit allen Erfahrungen und Erkenntnissen.

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Auch der Soulsänger aus Bremen tanzt mit der Meute im Regen. (Bild: Andreas Grimm)

Flo Mega: Das weiß ich nicht. Die Frage ist generell: Wie reguliert man die Ungerechtigkeit in der Welt. Ich denke, dass jeder schauen muss, was für ihn passt. Es gibt ja auch noch Patrion und andere Möglichkeiten. Im Großen ist das Marktbeherrschen zu einem Geschwür geworden und leider ein System – es wäre einfacher wenn es ein Wesen, mit einem Gewissen wäre.

frachtwerk: Du hast so viele Features mit den unterschiedlichsten deutschen Rappern. Wer fehlt denn noch bzw. mit wem arbeitest du als nächstes zusammen?

Flo Mega:
Ach, ich lasse mich überraschen. Man muss sich kennenlernen, sich mögen usw. Ich halte nichts von Zwangsheirat. Meine tatsächliche Antwort ist aber: Der einzige Rapper in Deutschland ist eine Frau und die heißt Die P. Ansonsten gehen mir Features extrem auf die Nerven und es versaut einem den Algorithmus – ganz zu Schweigen von der Qualität der Songs. Ich konnte einfach nur nie nein sagen. Eines der wenigen Features auf das ich wirklich stolz bin, ist auf meinem letzten Album «über das Grau» und das ist mit Chico César und Paulo Ró.

Ich lasse meinen Blues fließen – das transformiert sich eh in positive Energie.

frachtwerk: Wann dürfen wir dich wieder in der Schweiz sehen?

Flo Mega: Wenn die Schweizer Clubs mich buchen 🙂 Gerne oft, denn ich bin gerne dort.

Hinter dem Burnout liegt das Paradies! (Bild: Andreas Grimm)


frachtwerk – Frage 6nHalb: Der Song «Halbmond» ist wie entstanden?

Flo Mega: Oha. Das ist zu lange her, ich glaube, weil ich in einer toxischen Beziehung war und nicht zu der Person passte, sowie auch umgekehrt. Bei Vollmond (sagt ein chinesisches Sprichwort), sei ein rotes Band zwischen 2 Personen sichtbar, die zusammen gehören. Das war damals nicht der Fall und ich wollte es nicht wahrhaben, darum war mir der Halbmond lieber weil er in meiner Vorstellung die Wahrheit verdunkelt hat.

Der Würzburger Ruffcat – Werner Goldbach – happy nach dem Konzert und rechts zufällig auch im «Gelb-spielt-keine-Rolle» Outfit: Frachtwerkler Daniel KLEIN. (Bild: Andreas Grimm)


Herzlicher Dank an FloMega und The Ruffcats. Gleicher Dank gilt dem Orga-Team des Hafensommers. Wir kommen gerne im nächsten Jahr wieder und bleiben gespannt, wen wir dann live sehen und interviewen dürfen. Herzlichen Dank an unseren tapferen Fotografen Andreas Grimm.

Titelbild: Andreas Grimm

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